Nicht schon wieder… oder warum das mit dem NEIN-sagen einfach nicht klappen kann

Mittwochmorgen, 9:28 Uhr: Wieder einmal sitze ich in einer Morgenrunde mit dem Team im Büro und habe fleißig zugegriffen, mir wieder mal einen Job mitgenommen, den sonst keiner haben will. Und wieso? Weil ich bei meinem eigenen inneren Team, diesem Sauhaufen tief in mir drin, in meiner eigenen Chef-Rolle keine Ordnung reinkriege. Der Lauteste von allen ist leider auch der Schnellste im Klappe aufreißen... und der, der es allen recht machen will … Nach dem „Ja, klar!“ im Außen ist in mir drin natürlich der Teufel los und meine gute Laune von heute Morgen dahin. Es gibt einfach Tage, da würde ich gern die Führungsrolle für mein eigenes ICH hinschmeißen….

Wer sich gelegentlich selbst zuhört, der kennt diese inneren Dialoge und hitzigen Diskussionen. Solche „Typen“, wie wir ihnen tagein und tagaus im Alltag draußen begegnen, gibt es halt einfach mal auch in uns drin. Unter Leuten, die beruflich Menschen in der Persönlichkeitsentwicklung begleiten, sprechen wir vom sogenannten „Inneren Team“. Im Unterschied dazu nennen wir hier im Text das Team, dem ich bei meinem Arbeitgeber angehöre, „Äußeres Team“.

Ich bin doch der Chef

Also bin ich tatsächlich auch Chef und zwar für alle, die in mir und damit für mich arbeiten. Genauer betrachtet leite ich sogar mein eigenes Unternehmen, die ICH-AG, und bin damit Geschäftsführer, voll haftend für alles, was das Team so produziert (oder eben auch nicht). So ein Inneres Team zu führen, birgt durchaus ein paar Herausforderungen. Denn es handelt sich ausnahmslos um einzigartige Persönlichkeiten, sehr vielfältig und trotzdem alle gleich wichtig und wertzuschätzen.

Da gibt es die einen, die sich bei jeder Gelegenheit sofort zu Wort melden. Andere müssen erst ihren Mut sammeln bzw. sich über gewisse Dinge klarwerden und kommen dann erst um die Ecke, wenn der Zug schon abgefahren ist. Es melden sich laute Stimmen, deutlich wahrnehmbar, aber auch auf leise Weise, wo es schon ein ganz genaues aktives Zuhören erfordert, damit sie überhaupt hörbar sind. Manche sind willkommen, andere wiederum unbeliebt. Einige werden sogar ins Exil geschickt und sind damit erst einmal außer Gefecht gesetzt.

Der Angepasste beispielsweise sagt lieber schnell zu allem Ja, macht vielleicht sogar einen geheimen Deal mit dem Nein-Sager, durch den eh alles nur so unbequem wird. Der Nörgler ist immer unzufrieden und sorgt auch mal unangekündigt mit einer Explosion für Aufruhr, Schlaubi weiß garantiert alles und vor allem besser, die Drama-Queen ist wegen jeder Kleinigkeit völlig aus dem Häuschen, die Rebellin hört einfach gar nicht zu, interessiert sich nicht für Regeln und zieht ihr eigenes Ding durch, die Sensible nimmt sich alles sehr zu Herzen und fühlt sich nicht beachtet und spätestens, wenn der Teamclown dann auch noch den schlechtesten Witz des Tages reißt, könnte ich mal wieder schreiend davonlaufen. Puuuuh….

Alles hat mindestens 2 Seiten

Wenn ich an meine Mitarbeiter im Inneren Team denke, fallen mir natürlich schnell die anstrengenden Verhaltensweisen ein. Betrachten wir mal beispielhaft den Saboteur. Der bremst mich glatt immer wieder aus, indem er meine Entscheidungen in Frage stellt oder mir sogar plötzlich schwere Steine in den Weg legt. Damit hält er mich immer wieder von doch so wichtigen Taten ab. Das ist jedoch nur eine Wahrnehmungsmöglichkeit. Wenn ich da mal genauer hinschaue, erkenne ich auch eine andere Seite. Der Saboteur ist möglicherweise schlauer, als ich ihm zugetraut hätte, hat eventuell sogar eine bessere Beziehung zu meiner persönlichen Bedürfnisbeauftragten (auch als Rebellin bekannt) als ich selbst. Und bevor mir als Chef klar ist, dass einer meiner anderen Mitarbeiter (wie z.B. der Angepasste) uns mal wieder unabsichtlich in ein Problem hineinmanövriert, bewahrt der Saboteur mich mit seinen Aktionen so vor der einen oder anderen Dummheit. Es fehlt hier vielleicht nur an einer intensiveren Abstimmung zwischen dem Saboteur, der Bedürfnisbeauftragten, dem Angepassten und Schlaubi (Wissens- und Schnittstellenexperte). Dann wäre schnell klar, was für die ICH-AG wirklich wichtig ist und was eben nicht.

 

NEIN zu… braucht ein JA zu mir

So ein klares „Nein!“ in der Morgenrunde meines Äußeren Teams auszusprechen setzt nun mal voraus, dass ich in meinem Inneren gewisse Sachen klar habe, mir meinem eigenen Ich und meinem Inneren Team bewusst bin und dazu ein „Ja!“ hinkriege; ach ja: und dass ich mit allen Typen, die nun mal dazugehören, klarkomme. Denn die sind einfach alle mit einer natürlichen Daseinsberechtigung ausgestattet. Schließlich habe ich die selbst eingestellt, und zwar jeden Einzelnen. Auch wenn ich mich immer wieder mal frage, warum. Und sie machen ihren Job und zwar leidenschaftlich. Und: FÜR MICH! Denn die Inneren Mitarbeiter arbeiten alle mit vollem Einsatz für ihren Arbeitgeber, meine ICH-AG und damit meinen eigenen Organismus.

Allerdings: Der eine oder andere macht einen heute völlig veralteten Job und ist sich der neuesten Entwicklungen und Zusammenhänge im Haus nicht im Klaren. Andere sind schüchtern und haben Angst vor ihren eigenen Möglichkeiten. Manche haben die Vorteile von Zusammenarbeit noch nicht verstanden und sind noch im Einzelgänger-Modus unterwegs…. und und und. Nach einem stimmigen Miteinander fühlt sich das halt nicht immer an. Ob im Äußeren Team oder im Inneren Team, die Konsequenz der Unkenntnis der Persönlichkeiten im eigenen Team bedeutet stets Konfliktpotenzial und verborgene Schätze, die nicht zum gemeinsamen Erfolg herangezogen werden können. Und da muss der Chef selbst ran!

Da hilft vor allem jeden Einzelnen ausführlich kennenzulernen und gute Kommunikation, mit jedem Einzelnen und miteinander. Ach ja und aufmerksam zuhören, und zwar allen, die dazu gehören. Leider tatsächlich gar nicht so einfach und oft auch mit schmerzhaften Erkenntnissen verbunden. Wenn ich jedoch verstehe, warum jeder meiner eigenen inneren Mitarbeiter so agiert und reagiert, welche Motive da wirken, welche Bedürfnisse sie ernstnehmen und welche Jobprofile erfüllt werden, setzt das ungeahnte Möglichkeiten frei. Dann kann ich jedes Teammitglied nach den jeweiligen Kompetenzen passend einsetzen und mit einem kooperativen Führungsstil dafür sorgen, dass Zusammenarbeit klappt. Und wenn ich es dann noch schaffe, dass alle sich füreinander interessieren und in eine gemeinsame Richtung gehen wollen, läufts um Längen besser. Teamentwicklung nennt sich das in Unternehmen. Und genau das braucht es auch für mein Inneres Team.

Wer arbeitet für mich – ein Experiment

Gönnen Sie sich ein Selbst-Experiment: gehen Sie öfter mal durch Ihre Inneren Räume. Schauen Sie nach, wer da so alles anwesend ist. Und dann machen Sie ein bisschen Smalltalk: fragen Sie die Mitglieder Ihres Inneren Teams, mit welchem Fuß jeder heute aufgestanden ist und was sie sich für den heutigen Tag vorgenommen haben. Finden Sie heraus, was für eine Sprache sie sprechen und was sie Ihnen zu sagen haben, mit welchen Gefühlen sie so bestückt sind, wie es sich für Sie selbst anfühlt, auf diese Persönlichkeiten zu treffen. Merken Sie sich die Namen, die ihnen begegnen, erkennen Sie die persönlichen Eigenschaften und welche Werte jeder einzelne lebt. Und achten Sie einmal darauf, wann welcher Ihrer inneren Mitarbeiter im Team sichtbar bzw. spürbar ist und auf welche Art und Weise.

Also: Je besser ich mich in meinem Inneren Team auskenne, verstehe, wer hier wie wirkt, umso eher kann ich auch den Haufen Vielfalt zu einem Team formieren, das miteinander arbeitet. Denn das ist ausschließlich meine Verantwortung. Dann klappt das auch besser mit dem deutlichen Nein-Sagen in der Morgenrunde.

 

 

Unsere Gastautorin Beate Solga unterstützt Menschen, Teams und ganze Unternehmen als Coach und Beraterin beim ganzheitlichen Renaturieren mit den richtigen Veränderungsschritten. Mit ihrer IMPROBERATUNG ® FÜR ORGANISMEN macht sie individuell über alle Ebenen sichtbar, was an Schätzen und Veränderungswerten da ist, hilft beim Annehmen und „JA!“ dazu sagen und begleitet mit den passenden Möglichkeiten dabei, selbst was draus zu machen und den eigenen Weg zu verantworten. Beate Solgas Credo: "Weil Menschen Erfolg machen!".

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