Rechtschreibung kann Leben retten

Ich sitze mit meinem Mann beim Italiener. Er verdreht die Augen, weil ich den Kellner schon das zweite Mal wieder weg schicke, ohne mich für ein Gericht entschieden zu haben. Sein Magen knurrt, die Stimmung ist kurz davor zu kippen. Hunger sorgt bei uns beiden ziemlich schnell für schlechte Laune. Was bei mir aber fast noch weniger geht als Hunger, das sind Rechtschreib- und Grammatikfehler. Und genau die sind hier gerade das Problem. Auf der Speißekarte gibt es „Nudeln in Schniken-Sahnesauce“ oder „Pizza mit Sardelen und Artischoken“. Das bringt mich dermaßen auf die Palme, dass ich noch gar keine Zeit hatte, mir zu überlegen was ich essen möchte. Nun ist mir durchaus klar, dass man als Pizzabäcker vermutlich kein abgeschlossenes Germanistikstudium hat und dass in diesem Business andere Sachen wichtiger sind, zum Beispiel gute Pizza zu backen und rechnen zu können. ABER, und das ist für mich der entscheidende Punkt und auch der Grund, warum ich diesen Blogpost schreibe: Es hat etwas mit Respekt und Wertschätzung zu tun, ob ich mir für mein Gegenüber die Mühe mache, auf solche Details wie Rechtschreibung zu achten. Dafür brauche ich auch gar keinen Doktortitel, sondern lediglich die Rechtschreibkorrektur meiner Textverarbeitungssoftware und vielleicht einen Duden. Und das gilt für Gastronomen genauso wie für Geophysiker.

Was auf der Speisekarte noch primär für Erheiterung sorgt und nur Pedanten wie mich wirklich ärgert, hat in der geschäftlichen Kommunikation noch eine andere Komponente. Vor allem wir „Büroarbeiter“ sollten uns immer wieder bewusst machen, dass unsere E-Mails unsere Visitenkarte sind. Oft sind sie das erste, was ein Geschäftspartner, potentieller Kunde oder Arbeitgeber von uns zu sehen bekommt, manchmal sogar das einzige, z.B. bei Kontakten im Ausland. Schlampige Rechtschreibung ist da ein absolutes No-Go. Schon mal darüber nachgedacht, was eine Nachricht voller Flüchtigkeitsfehler und falscher Satzzeichen über uns aussagen könnte? Zum Beispiel darüber, wie gewissenhaft wir sonst so unseren Job machen, wenn wir nicht mal die Autokorrektur drüber laufen lassen, bevor wir eine E-Mail wegschicken. Tippfehler haben sicher nichts mit fehlender Intelligenz zu tun, aber dafür umso mehr mit mangelnder Disziplin und Sorgfalt. Die Wenigsten werden beim Lesen denken: „Ach, der/die Arme ist scheinbar mal wieder fürchterlich im Stress.“, viele aber „OK, so wichtig kann mein Anliegen (=ich!) also nicht sein, wenn scheinbar nicht mal Zeit ist, um die Mail an mich kurz gegenzulesen.“ oder „Wenn der/die meinen Auftrag mit der gleichen Sorgfalt angeht wie diese Nachricht, dann gute Nacht…“.

Klassische Fehler in E-Mails sind zum Beispiel:

-          Name des Ansprechpartners und/oder der Firma falsch geschrieben

-          „Herr“ statt „Frau“ oder andersherum (da hilft oft Google bei exotischeren Vornamen…)

-          Typische Flüchtigkeits- / Tippfehler, die nicht ausgebessert sind, wie Buchstabendreher, fehlende Satzzeichen, etc.

-          Anhang vergessen

 Also alles Dinge, die man ganz einfach korrigieren kann, wenn man die E-Mail nochmal schnell gegenliest bevor man auf „Senden“ klickt. Und meiner Meinung nach lohnt es sich immer, sich dieses bisschen Zeit zu nehmen - für den guten Eindruck beim Gegenüber, wer weiß, vielleicht sitzt da auch so eine wie ich… ;)  

Ich hab dann übrigens einfach schnell eine Pizza Salami bestellt, zur Deeskalation an der Hungriger-Gatte-Front… ;) Und als Nachtisch gab’s Tiramisu – allein das ist es wert, trotzdem nochmal zu dem Italiener zu gehen! Da drück‘ dann sogar ich gern beide Augen zu bei der Speisekarte. Und trotzdem bleibe ich dabei: sogar Satzzeichen können Leben retten!

Komm-_wir_essen_Opa

 

Übrigens, diejenigen unter euch, die sich auch so gerne mit Sprache beschäftigen wie ich hätten hiermit sicher ihre Freude: https://www.tastaturtaenzer.de/b..d.-abk.-das-buch-der-abkuerzungen

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